2012 Programm Nr. 17
Veranstaltung |
Programmübersicht |
- Titel:
- ENSEMBLE MIKADO- Can She Excuse
- Wann:
- Freitag, 11.05.2012 19.30 h
- Wo:
- Evangelische KIRCHE Wallern - Wallern an der Trattnach
- Kategorie:
- :::Alte Musik:::
- Eintritt:
- Eur 14
- Karten:
Beschreibung
ENSEMBLE MIKADO-"Can She Excuse"

(Fotograf: Lukas Beck)
Theresa Dlouhy - Sopran
Maja Osojnik - Blockflöte
Thomas List - Blockflöte
Katharina Lugmayr - Blockflöte
Eva Reiter - Blockflöte und Viola da Gamba
Maja Osojnik - Blockflöte
Thomas List - Blockflöte
Katharina Lugmayr - Blockflöte
Eva Reiter - Blockflöte und Viola da Gamba

(Fotograf: Lukas Beck)
Das Ensemble Mikado konstituierte sich in der aktuellen Besetzung Sopran, Viola da Gamba/Viella und drei Blockflöten im Frühjahr 2003 in Wien. Seither wußten die Gewinner der „International Young Artist’s Presentation – Early Music“ (IYAP) in Antwerpen 2004 bei nationalen und internationalen Festivals sowohl Publikum als auch Fachpresse für sich zu begeistern. Zahlreiche Konzertauftritte führten das Ensemble unter anderem in die Schweiz, nach Liechtenstein, Polen, Italien und Belgien, zu den Wiener Blockflötentagen, den „Hörgängen“ im Wiener Konzerthaus, zu den ISCM Weltmusiktagen, zu den Festivals für Alte Musik in Brežice und Radovljica/Slowenien, zum Festival für Alte Musik in Bozen/Italien, Festival „Wratislavia Cantans“ in Polen, Festival „Laus Polyphoniae“ in Belgien, Festival „Aqua Musica“ und „Oude-Muziek-Network“ in den Niederlanden, zum Festival „Trigonale“ in Kärnten und zu den „Tagen Alter Musik Regensburg“. Das Ensemble konzentriert sich in der Auswahl seines Repertoires sowohl auf die Musik des ausgehenden Mittelalters (Ars nova und Ars subtilior) als auch auf die Musik der englischen Renaissance zur Zeit William Shakespeares. Auf der Suche nach neuen Wegen, Alte Musik zeitgemäß zu interpretieren, entstehen außergewöhnliche Besetzungen und unkonventionelle Arrangements.
Can She Excuse
Wenn man gleichermaßen von einer kulturellen Blütezeit wie von einer weltpolitischen Vormachtstellung Englands spricht, so ist wohl zu allererst an den Beginn des 17. Jahrhunderts zu denken: England hatte die Herrschaft über die Weltmeere errungen, kolonialisierte fremde Länder, kontrollierte den Welthandel und legte die absolute Macht des Königs in die Hände einer Frau: Elisabeth I. Der historisch manifeste Begriff des elisabethanischen Zeitalters fußt in dieser durchschlagenden Zeitenwende. Der auch machtpolitisch nicht uninteressante Wechsel hin zu einer Königin erschien ja eigentlich unvereinbar mit der überkommenen patriarchalen Ideologie. Zur Zeit des Mittelalters bis hin zur Renaissance galt der Mann nicht nur als allein herrschender Machtvertreter, sondern gar als einzig wahres Ebenbild Gottes. Die Kirche trug bekanntermaßen nicht unwesentlich zu dieser geschichtlich weit zurückreichenden Entwicklung bei, in der der Mann in jeder Beziehung weit über die Frau gestellt wurde. Die klassischen Männergesellschaften der höfischen und kaufmännischen Eliten sahen sich nun aufgrund der Krönung Elisabeths I. sowie der damit verbundenen jüngsten Ereignisse in ihrem männlichen Selbstverständnis erschüttert, denn jetzt hatte ausgerechnet eine Frau die letzte Autorität über alle elementaren Staatsbelange, über ihren Status, ihren Ruhm, schließlich auch über ihr Leben und ihren Tod.
Die Königin wusste dabei sehr wohl um ihre prekäre Macht und inszenierte diese deshalb mit überdeutlichem theatralen Aufwand. Dazu zählte nicht zuletzt auch ein die Geschlechterrollen transzendierender Liebesdiskurs, den sie bewusst förderte und in den Dienst ihrer eigenen Macht stellte. Das Schreiben über das Phänomen der Liebe reicht somit nicht mehr ausschließlich in den Bereich des bloß Literarischen, sondern erhält einen quasi öffentlichen Charakter und damit auch zugleich eine politische Dimension. Liebesliteratur in diesem quasi politischen Sinne ist als Spiegel der Zeit der englischen Gesellschaft zu verstehen. Dabei spielen hunderte von Sonetten, die nur vordergründig von Lust und Last individueller Liebeserfahrung berichten, eine herausragende Rolle. Denn in ihrer unverhohlenen und oftmals erschütternden Metaphernwelt – die immer wieder auch von ganz anderen Dingen als von der Liebe selbst erzählt – werden die neuen Rollen der Männer und die neuen Machtverhältnisse zwischen den Geschlechtern äußerst luzide verhandelt.
In dem Programm Can She Excuse spielen jene Texte der neuen „Liebessprache“, die die zeitgenössische Rolle der Frau in all ihren Facetten beleuchten, eine zentrale Rolle.
Sie findet sich in der Position der Angebeteten und der Unerreichbaren ebenso wieder wie in der der betrauerten Geliebten oder der verherrlichten Königin. „Can she excuse my wrongs with Virtues cloak?“, so die zentrale Frage in John Dowlands bekanntem Song Can she excuse. In seiner musikalischen Gestalt verweist dieses Lied auf die berühmte „Earl of Essex“-Gaillard und gibt somit auch zugleich Auskunft über den vermeintlichen Protagonisten, der hier deutlich die Position des Unterlegenen einnimmt und nach Vergebung und Liebe fragt. Doch seine Angebetete scheint hartnäckig – und sein Unterfangen zum Scheitern verurteilt, denn letztlich vermittelt er den Eindruck des vergeblichen Ringens: „If thou canst not overcome her will / Thy love will be thus fruitless ever.“ Verschiedene Quellen deuten auf ein zwar leidenschaftliches, aber auch überaus ambivalentes Verhältnis des Earl of Essex zur Königin hin. Als der Earl einmal nach einem Disput mit der Königin vor den erstaunten Ohren mehrerer Höflinge – nie zuvor wagte es jemand, in diesem Ton mit der Machthaberin zu sprechen – dieser in kalkul
Sie findet sich in der Position der Angebeteten und der Unerreichbaren ebenso wieder wie in der der betrauerten Geliebten oder der verherrlichten Königin. „Can she excuse my wrongs with Virtues cloak?“, so die zentrale Frage in John Dowlands bekanntem Song Can she excuse. In seiner musikalischen Gestalt verweist dieses Lied auf die berühmte „Earl of Essex“-Gaillard und gibt somit auch zugleich Auskunft über den vermeintlichen Protagonisten, der hier deutlich die Position des Unterlegenen einnimmt und nach Vergebung und Liebe fragt. Doch seine Angebetete scheint hartnäckig – und sein Unterfangen zum Scheitern verurteilt, denn letztlich vermittelt er den Eindruck des vergeblichen Ringens: „If thou canst not overcome her will / Thy love will be thus fruitless ever.“ Verschiedene Quellen deuten auf ein zwar leidenschaftliches, aber auch überaus ambivalentes Verhältnis des Earl of Essex zur Königin hin. Als der Earl einmal nach einem Disput mit der Königin vor den erstaunten Ohren mehrerer Höflinge – nie zuvor wagte es jemand, in diesem Ton mit der Machthaberin zu sprechen – dieser in kalkul
iert antidevoter Haltung den Rücken zukehrte, was freilich einer nicht hinnehmbaren öffentlichen Beleidigung gleichkam, und sich daraufhin den Ärger der Prinzipalin zuzog, soll sie kurzerhand einen ihrer Schuhe genommen und den pikierten Earl am Hinterkopf getroffen haben. Eine im Übrigen nicht ganz unübliche Handlung der Königin, wenn sie ihrem Groll Luft zu verschaffen trachtete.
Aber auch die anderen auf dieser CD versammelten Songs geben einen bewegenden Einblick in die inszenierten „Liebesleiden“ der Zeit. John Wilbyes O what shall I do? lässt sich als Ausdruck tiefster Ehrfurcht und Anbetung verstehen: In jugendlicher, gleichsam vergötternder Bewunderung und Schwärmerei schmachtet ein sichtlich verzweifelter Liebender und findet nicht den Mut, seiner Angebeteten unter die Augen zu treten – „Shall I make unto her eyes? O no, they’ll burn me.“ Sein Blick ist getrübt von ängstlicher Phantasie.
In O thrice-blessed earthbed von John Tomkins wiederum sehen wir uns mit einer zutiefst traurigen Realität konfrontiert: Ein Liebender besingt seine tote Frau, versucht sie vergebens ins Leben zurückzurufen („Palilia, awaken!“) und muss schließlich für immer Abschied nehmen: „Till then, adieu, most blessed.“
All creatures now von John Bennet ist nur eine der zahlreichen Huldigungen an die geliebte und verehrte Königin, deren Beiname auch „Oriana“ von „Gloriana“, die Ehrwürdige, war.
Keine geringen Ansprüche stellt Joan in Richard Nicholsons ironischem Song Joan, quoth John an ihren Verehrer. Am Tage und auch in der Nacht, zu jeder Stunde soll er kommen und um sie werben! Nur unter der Bedingung, ihr jederzeit ihren Willen zu lassen, könnten seine Bemühungen um eine Heirat Ziel führend sein. Ein erfrischendes, belebendes Stück, vergleichbar einer kurzen Szene eines musikalischen Lustspiels.
In ähnlich humoresker Manier erzählt My mistress had a little dog vom tragisch komischen Schicksal des königlichen Hundes „Pretty Royal“. Das hochgeschätzte Tier, dessen zahlreiche Vorzüge überschwänglich gepriesen werden, erfährt doch ein zutiefst bedauerliches Ende. „A beastly man or manly beast knockd out his brains.“
Ebenso könnte auch Mother, I will have a husband von Thomas Vautor einer „Court Masque“ – der verschwenderisch veranstalteten musikalischen Komödie am englischen Hofe – entnommen sein. Weitgehend schlicht homophon, unterstreicht der musikalische Satz die humorvolle, bewusst „einfache“ Seite des Stückes. Darin gibt sich die Protagonistin zuversichtlich bei der Suche nach einem Bräutigam. Doch letztlich erweisen sich ihre Überzeugung und ihr Stolz als fragwürdig und äußerst zweifelhaft.
So beinhaltet Can She Excuse? ausgewählte Musik der bedeutenden Blütezeit der englischen Renaissance im Zeitalter Elisabeths I. Das englische Madrigal befindet sich auf dem Gipfelpunkt seiner Entwicklung. Zu den weiteren typischen Gattungen zählen die Kanzonetten, die beliebten englischen Sololieder mit Lautenbegleitung, Stücke für Lyra Viol (solo oder auch als Liedbegleitung), die Ayres in textgebundener, schlichter Melodik und ihrem natürlichen rhythmischen Fluss sowie zahlreiche Fantasien. Zu den ausgewählten Komponisten zählen unter anderen William Byrd, John Dowland, John Tomkins und Tobias Hume. In ihren Werken findet die geliebte, die heiratswillige, die fromme, die verschmähte, die unnahbare, die ersehnte Frau ihren Ausdruck und verschafft sich Gehör – fast so, als wäre sie im Moment des Musizierens leibhaftig anwesend.
Veranstaltungsort
- Venue:
- Evangelische KIRCHE Wallern
- Straße:
- Evangelischer-Kirchen-Platz 1
- PLZ:
- 4702
- Stadt:
- Wallern an der Trattnach
- Land:
-
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